Geschichte der Kulturscheune Schnaittach und des alten Badehauses in Schnaittach

Südseite des Hauptgebäudes mit Bühnensaal

Südansicht der Kulturscheune Schnaittach

Westseite des alten Badehauses

Das alte Badehaus neben der Kulturscheune

Die Kulturscheune Schnaittach gehört zu einem der ältesten Anwesen in Schnaittach, mit dem alten Badehaus, dem großen Hof und den umliegenden Tagelöhnerhäusern aus dem 13./14. Jahrhundert. Dieses Anwesen befindet sich gleich neben dem Jüdischen Museum mit der Synagoge und dem Heimat-Museum von Schnaittach. Das Landesamt für Denkmalpflege München ist begeistert vom gesamten Ensemble: Synagoge, Jüdisches und Heimatmuseum, Badehaus, große Scheune – jetzt Kulturscheune – und den umliegenden Tagelöhnerhäusern. Das ist eine einmalige Zusammenstellung geschichtlich wertvoller Anwesen, die in ganz Bayern sonst kaum zu finden ist, viele davon in einem gut restaurierten Zustand.

Man nimmt an, dass das Badehaus eine Raststätte für Kaiser Karl IV. auf dem Weg nach Prag war, weil die Existenz einer „Patstuben zu Sneittach“ im Anwesen Schnaittach, Birkensteingasse 1, seit dem Jahre 1366 nachgewiesen ist im Salbüchlein 1366/68 Karls IV. Die nachfolgenden Besitzer der „Badstuben“ sind seit 1478 namentlich bekannt. Unter dem Besitzer Jorg Pader herrschten wohl auch unsittliche Verhältnisse in der Badstuben, weil die Rothenberger Herrschaft drohte: „Wer beim Erlein Pader betroffen wird, den soll der Burggraf an den Pranger stellen und bei weiterer Verachtung des Verbots einsperren, ihm die Ohren abschneiden lassen und schließlich sein Recht tun mit einem Sack wie es sich gebührt“ (d. h. ihn ertränken) – aus dem Buch „Schnaittacher Häuserchronik“ von Karl Kroder und Birgit Kroder-Gumann, erst im Dezember 2002 erschienen.

Alle Besitzer des Badehauses, der großen Scheune und der umliegenden Tagelöhnerhäuser sind seit 1478 namentlich bekannt und waren von Beruf erst Bader, Wundärzte, Chirurgen, Apotheker und später Ärzte. Die jetzigen Besitzer, Lis und Volker Graf, haben das Badehaus und die Scheune im Jahr 1985 von der Familie Lisbeth und Dr. Karl Thoma erworben und möchten das gesamte Anwesen mit den umliegenden Tagelöhnerhäusern nach und nach renovieren. Die große Scheune wurde schon fachmännisch restauriert – alles ist im Original belassen, einzelne fehlende Balken mit altem Holz ergänzt. Beheizt wird die Scheune mit einer Fußbodenheizung – hier ein kleines Meisterstück der Technik, damit auch kein Heizkörper das alte Gemäuer stört.

Konzertsaal links der Bühne mit Publikum

Konzertsaal der Kulturscheune Schnaittach

Seit einigen Jahren wird die Scheune für Kunst und Kultur genutzt, somit ist die „Kulturscheune Schnaittach“ entstanden. Vom Herbst bis zum Sommeranfang finden hier Konzerte aller Musikrichtungen statt. Mittlerweile wurde auch ein Konzertflügel dafür erstanden. Alle Künstler sind begeistert von der hervorragenden Akustik in dem alten Gebäude. Auch für Festlichkeiten ist die Kulturscheune mit der außergewöhnlichen Atmosphäre bestens geeignet. Zusammen mit einem kleinen Freundeskreis haben Lis und Volker Graf den Verein „Kulturscheune Schnaittach e. V.“ gegründet, der jeweils der Veranstalter der Konzerte ist. Die Überschüsse aus den Spenden der Besucher gehen direkt nach Tansania oder Bolivien.

Das Hauptgebäude, das alte Badehaus, wird wurde archäologisch untersucht – drei Architekten und Ingenieure vom Lehrstuhl für Denkmalpflege an der Universität Bamberg erforschten das Anwesen und schrieben darüber ihre Diplomarbeit. Man entdeckte Fassadenmalereien aus der Barockzeit, Fundamente und die Schürgrube eines Wasserkessels sowie eines Wärmeofens, vermutlich 13. Jahrhundert oder älter; ein Beweis für die damals vorhandene „Batstube“. Die weiteren Forschungen können noch viele Überraschungen bringen, da noch meterhohe Kulturschichten sondiert und begutachtet werden müssen.

Das Hobby des Besitzers Volker Graf ist es, historisch wertvolle Häuser zu sanieren, zu erhalten und er möchte in der gesamten Anlage des alten Badehauses, der Kulturscheune und in den umliegenden „Tagelöhnerhäusern“ nach Fertigstellung Handwerk, Kunst und Kultur „ansiedeln“ und diesen ältesten Ortsteil vom „Dorf Schnaittach“ wieder beleben. Es soll in Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde Schnaittach und der Städtebauförderung versucht werden, diesen Ortsteil „Fröschau“ liebenswert neu zu gestalten.