Samstag, 15. Oktober 2011, 19:30 Uhr

Steve „Big Man“ Clayton

The King of Barrelhouse Piano

Steve „Big Man“ Clayton beim Auftritt in der Simmelsdorfer Mühle

Steve „Big Man“ Clayton beim Auftritt in der Simmelsdorfer Mühle

Einen gelungenen Abend bereitete Steve „Big Man“ Clayton den Freunden von Boogie und Blues, die in die Simmelsdorfer Mühle gekommen waren, um den „King of Barrelhouse Piano“ live zu erleben.

Der gebürtige Engländer lebt seit 14 Jahren in Deutschland, seine Moderation gerät daher zu einer sympathischen Mischung aus Englisch und leichtem Schwäbisch. Bestens ausgerüstet mit fränkischem Weizenbier und gut gelaunt legt der massige Clayton, dessen Spitzname nicht zu Unrecht „Big Man“ lautet, mit Boogie-Woogie los. Aber er hat noch mehr im Gepäck. „Wollt ihr Blues?“ fragt er in die Runde, und schon zieht er mit seinem „Heart Break Blues" das Publikum in seinen Bann. Mal spielt er „nur“ Klavier, dann singt er dazu. Seine Stimme ist Blues pur, mal samtweich, dann wieder tief und rau.

Die Finger der rechten Hand wirbeln dazu in wahnwitzigem Tempo nur so über die Tasten, während die linke für den unerschütterlichen Boogie-Beat sorgt. Dabei gerät das Instrument, ein E-Piano, gelegentlich in gefährliche Schwingungen. Dies ist allerdings auch der einzige Wermutstropfen: Es stehen ihm leider weder Flügel noch, was ihm am liebsten ist, ein Klavier zur Verfügung. Denn ganz so hemmungslos hämmern kann er auf dem Elektroklavier denn doch nicht, wie es seine Fans von ihm kennen. Er macht dies jedoch wett durch witzige Einlagen, bei denen er auch nicht vor kleinen Scherzen mit einprogrammierten klassischen Stücken zurückschreckt.

Steve Clayton erlätuert seinen „britischen Kühlschrank“ – ein süffiges Bierchen

Steve Clayton erlätuert seinen „britischen Kühlschrank“ – ein süffiges Bierchen

Zu einem der Höhepunkte des Abends wird der bis dato noch ungehörte „Simmelsdorf Blues“: Als ein Zuhörer vorschlägt, doch einen Blues auf Simmelsdorf zu singen, reagiert Clayton prompt und bekennt: „It kills me, the Simmelsdorf Blues". Nicht nur die Einheimischen im Publikum sind von der improvisatorischen Leistung hingerissen.

Er beweist außerdem mit Stücken wie dem spritzigen „Amsel-Boogie“, dass er ein ausgezeichneter Komponist ist, bewegt sich aber auch höchst souverän auf vertrautem Terrain. „It’s Rock ’n’ Roll time", verkündet er, und fetzt mit Chuck Berrys „Sweet Little Sixteen“ furios los oder baut irrwitzige Piano-Läufe ins bekannte „Georgia On My Mind“ ein.

Nach fast drei Stunden, einigen Zugaben und einem letzten Glas Bier verabschiedete sich ein erschöpftes Boogie-Woogie-Schwergewicht von einem beschwingten Publikum.

Anne Stegmeier
(mit freundlicher Genehmigung der Pegnitz-Zeitung Lauf)