Samstag, 14. Dezember 2013, 19:30 Uhr

Martina-Eisenreich-Quartett

Contes de Lune

Für den Schlussakkord sorgte Martina Eisenreich mit ihren Begleitern

Für den Schlussakkord sorgte Martina Eisenreich mit ihren Begleitern

Mehr als 150 Konzerte in 19 Jahren, 75.000 gesammelte Euro für Hilfsprojekte in Bolivien und Tansania – und viele wunderbare Stunden mit Musik aus aller Welt: Am Wochenende fiel der Vorhang für das Projekt einer ungewöhnlichen Frau. Lis Graf, Initiatorin und Motor des Vereins Kulturscheune Schnaittach, lud zum letzten Mal zum Konzert. Sie präsentierte mit dem Martina-Eisenreich-Quartett ein musikalisches Juwel.

Wer Lis Graf öfter erlebt hat, der wundert sich nicht. Da wuselt sie auch am letzten Abend in der voll besetzten Simmelsdorfer Mühle herum, fragt überall nach, ob es auch recht ist, und hat dann nichts Besseres zu tun, als sich erst einmal selbst zu bedanken. Alle ihre Freunde holt die 68-Jährige auf die Bühne, überreicht Präsente – „ohne euch wäre es nicht gegangen!“

Fast zwei Jahrzehnte lang hat die Simmelsdorferin gemeinsam mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann Volker und einem festen Stamm von Unterstützern fast monatlich ein Benefizkonzert organisiert; 75.000 Euro kamen zusammen. Alle Einnahmen der Konzerte und oft noch mehr überwies der Verein an Hilfsprojekte und Bedürftige. 16 Jahre lang war die Kulturscheune in Schnaittach feste Anlaufstelle für Musiker aus aller Welt. Ob Klezmer, Jazz, Gospel oder Soul – stets waren die Konzerte kein Mainstream, sondern seltene Blüten musikalischen Schaffens.

„Viva Voce“, die heute in großen Sälen spielen, hatten eines ihrer ersten Konzerte in der Kulturscheune und hielten ihr über Jahre hinweg die Treue. Obwohl der Verein den Musikern nie große Gagen zahlen konnte, kamen auch viele andere immer wieder, genossen das Flair und das aufmerksame Publikum. Viele schöne Erinnerungen hat Graf an diese Jahre. „Ich war stets mein bester Gast“, meint sie rückblickend.

Doch nun ist Schluss. Im Herbst hat Graf die Simmelsdorfer Mühle, die seit 2010 Aufführungsort war, an die Sopranistin Cornelia Götz übergeben (die Pegnitz-Zeitung berichtete). „Wir sind alle in die Jahre gekommen, ich denke, jetzt ist es genug“, sagt die 68-Jährige. Heftiger Applaus, als Freundin Birgit Zagel schließlich auch ihr Blumen überreicht. Stellvertretend für die vielen Wegbegleiter, die an diesem Abend in die Mühle gekommen sind.

Dass sie ein Händchen für Musik hat, das beweist Graf auch mit dem letzten Konzertabend. Fast unbemerkt schleichen sie sich ein, die sphärischen Klänge, mit denen das Martina-Eisenreich-Quartett die nächsten zwei Stunden ein musikalisches Leuchtfeuer auf der Bühne entzündet. Die Münchner Violinistin und ihre Musiker – sie verbinden an diesem Abend all das, was Weltmusik ausmacht: Emotionen und Traditionen, Geschichten und Melodien, die mühelos mehrere Jahrhunderte überspannen und dabei so schwerelos ineinander übergehen, als seien sie aus einem Stück geschnitzt.

Die Augen schließen und schon reist man auf dem Rücken der Musik durch fremde Länder. Doch auch im Hier und Jetzt ist das Quartett, das an diesem Abend vom virtuosen Harfenisten Kiko Pedrozo begleitet wird, zuhause. Ob mit dem ironischen Tanzorchesterstück „Tante Käthe“, orchestralen Filmmusikeinlagen oder Led Zeppelins Klassiker „Stairway to Heaven“, der aus einer alten mongolischen Melodie erwächst. All das passt bruchlos zusammen und geht direkt ins Herz.

Martina Eisenreich, die rothaarige Fee auf der Bühne, ist der Mittelpunkt, um den sich alles dreht. Mit geschlossenen Augen zupft und streicht sie sich durch die Stücke, begleitet vom eleganten Spiel des Gitarristen Christoph Müller, der mit seinen Instrument alle Bandbreiten der Begleitung ausschöpft. Stephan Glaubitz am Kontrabass ist der ruhende Pol im Hintergrund. Als wahrer Zauberer entpuppt sich Perkussionist Wolfgang Lohmeier: von der Schafsglocke bis zum Eierschneider streicht, schüttelt und rührt er alles, was ihm in die Finger kommt.

Ein Konzertabend voller Kraft und Virtuosität, voll wunderbarer Geschichten von Pferdekopfgeigen und Caféhaussitzern, von paraguayischen Kindern, die in den Schlaf gesungen werden, und Erwachsenen, die den Mond lieben. Der scheint beim Hinausgehen als volle Scheibe am Himmel. Ein würdiger Abschied für zwei Jahrzehnte Musik für die Seele.

Isabel Krieger
(mit freundlicher Genehmigung der Pegnitz-Zeitung Lauf)